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DocsTalk: Stimmen aus der Praxis - echte Erfahrungen, echte Lösungen

Mit DocsTalk öffnen wir unser digitales Interviewstudio: Hier sprechen wir mit Partnern, Anwendern und Wegbereitern der Telemedizin über ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolge. Authentisch, praxisnah und mit wertvollen Einblicken in Projekte, die Gesundheitsversorgung nachhaltig verändern.

Telezahnmedizin in Pflegeeinrichtungen

Die Zukunft der Zahnmedizin beginnt im Altenheim: Denn zahnärztliche Versorgung scheitert dort oft nicht am medizinischen Bedarf, sondern an der Organisation: Transporte in Praxen, Begleitpersonal, Wartezeiten und nicht selten zusätzlicher Stress für Pflegebedürftige.

Telezahnmedizin setzt genau an diesem Punkt an. Die entscheidende Frage ist nicht, ob sie technisch möglich ist, sondern wie zahnmedizinische Expertise früher, schonender und näher am Menschen verfügbar gemacht werden kann.

Im Gespräch schildern Patrick Werny (SKM Aachen e.V.) und Dr. med. dent. Patrick Jansen (Funktionsoberarzt, Uniklinik RWTH Aachen), wie telezahnärztliche Konsultationen dabei helfen können, Anliegen direkt in der Pflegeeinrichtung einzugrenzen, noch bevor über einen Praxisbesuch oder Vor‑Ort‑Termin entschieden wird.

Als telemedizinischer Partner war Docs in Clouds früh eingebunden. Die eingesetzte Video‑ und Kommunikationslösung verbindet Pflegekräfte und Zahnärzte digital und ermöglicht als sinnvoller Zwischenschritt erste fachliche Einschätzungen ortsunabhängig.

Interview mit Dr. med. dent. Patrick Jansen, Patrick Werny und Prof. Dr. Dr. Michael Czaplik

Docs in Clouds, 12.03.2026

Problemstellung und Versorgungskontext

1. Welches konkrete Versorgungsproblem in Pflegeeinrichtungen wollten Sie mit Telezahnmedizin adressieren?

Patrick Werny:
„Das zentrale Problem ist der organisatorische Aufwand rund um zahnärztliche Untersuchungen von Pflegeheimbewohnern. In vielen Fällen muss für eine Untersuchung ein Transport in eine Praxis organisiert werden – oft inklusive Begleitung durch Pflegepersonal. Das ist für die Einrichtungen aufwendig und für die Bewohner häufig belastend.

 

Mit telezahnärztlichen Konsultationen können viele Fragestellungen zunächst abgeklärt werden, ohne dass der Bewohner transportiert werden muss. Dadurch lassen sich unnötige Wege vermeiden und Probleme schneller identifizieren.”

Telezahnmedizin in der Praxis

2. Wie läuft eine telezahnärztliche Untersuchung praktisch ab?

Dr. Patrick Jansen:
„Im Kern handelt es sich um eine visuelle Untersuchung mithilfe einer intraoralen Kamera oder Intraoralscanner. Die Pflegekraft zeigt dem Zahnarzt synchron oder asynchron über die Kamera oder den Scanner bestimmte Bereiche im Mundraum des Bewohners. Auf dieser Basis kann der Zahnarzt eine erste Einschätzung vornehmen.

 

Dabei geht es vor allem darum, Beschwerden einzugrenzen und mögliche Ursachen zu identifizieren. Häufig lassen sich zum Beispiel Druckstellen oder Probleme mit Prothesen erkennen.

 

Eine vollständige Diagnostik oder detaillierte Behandlungsplanung ist telemedizinisch natürlich nur eingeschränkt möglich. Der Schwerpunkt liegt eher auf einer ersten Einschätzung und einer möglichen Vorplanung weiterer Schritte.”

3. Welche zahnmedizinischen Leistungen lassen sich telemedizinisch sinnvoll anbieten?

Dr. Patrick Jansen:
„Primär geht es um eine grundlegende Munduntersuchung und eine Befundung bei bestehenden Beschwerden. Mit der Kamera lassen sich beispielsweise Druckstellen oder andere sichtbare Probleme im Mundraum erkennen.
Auch bei Schmerzen kann eine telezahnärztliche Konsultation helfen, die Ursache einzugrenzen und zu entscheiden, welche weiteren Maßnahmen notwendig sind.
Allerdings gibt es Einschränkungen. Bestimmte Strukturen, insbesondere die Mundschleimhaut, lassen sich über Kameraaufnahmen nur begrenzt beurteilen. In solchen Fällen ist eine persönliche Untersuchung weiterhin erforderlich.”

4. Welche zahnmedizinischen Maßnahmen lassen sich nicht telemedizinisch durchführen?

„Dr. Patrick Jansen: „Viele klassische zahnmedizinische Behandlungen können selbstverständlich nicht telemedizinisch erfolgen. Dazu gehören zum Beispiel Zahnextraktionen, Füllungen oder andere invasive Maßnahmen.

In solchen Fällen muss der Patient weiterhin entweder in eine Praxis gebracht werden oder der Zahnarzt kommt in die Einrichtung. Telemedizin kann diese Behandlungen nicht ersetzen.
Der große Vorteil liegt vielmehr darin, dass sich viele Situationen zunächst einschätzen lassen und dadurch unnötige Wege vermieden werden können.”

Implementierung in Pflegeeinrichtungen

5. Welche Aufgaben übernehmen Pflegekräfte im Rahmen telezahnärztlicher Untersuchungen?

Alle:
„Pflegekräfte spielen eine zentrale Rolle bei der Durchführung der telezahnärztlichen Untersuchung. Sie bedienen die Kamera, erstellen die intraoralen Aufnahmen und zeigen dem Zahnarzt die relevanten Bereiche im Mundraum.

Damit werden sie zu einem wichtigen Bindeglied zwischen Bewohner und Zahnarzt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, in welchem Umfang zusätzliche zahnmedizinische Aufgaben sinnvoll in den Pflegealltag integriert werden können.

Pflegekräfte verfügen bereits über viele Kompetenzen, und Mundhygiene und -gesundheit ist grundsätzlich Teil der pflegerischen Versorgung. Dennoch müssen zusätzliche Aufgaben realistisch bleiben, da Pflegekräfte ohnehin stark belastet sind.”

6. Welche technische Ausstattung wird für telezahnärztliche Untersuchungen verwendet?

Alle:
„Zum Einsatz kommen vor allem intraorale Kameras oder Intraoralscanner. Moderne Scanner können sehr präzise 3D-Modelle des Mundraums erstellen, die beispielsweise auch für prothetische Planungen genutzt werden können. Einige Systeme bieten mittlerweile auch weitere nützliche Modalitäten, wie zum Beispiel Karies- und Plaqueerkennung. 
 
Allerdings sind solche Geräte teilweise sehr teuer und kosten in der Anschaffung bis zu etwa 20.000 Euro.

Deshalb wird auch diskutiert, ob kostengünstigere Alternativen möglich sind – beispielsweise kamerabasierte Lösungen oder Smartphone-basierte Systeme. Ziel wäre es, mit deutlich geringeren Kosten einen Großteil der telezahnärztlichen Fragestellungen abdecken zu können.

7. Was hat dazu beigetragen, dass das Projekt nicht nur ein Pilotprojekt geblieben ist, sondern im Alltag funktioniert?

Patrick Werny:
„Der wichtigste Faktor war, dass schnell deutlich wurde, dass die telezahnärztlichen Untersuchungen einen echten Nutzen für die Bewohner bringen. Transportwege konnten reduziert werden und viele Probleme ließen sich schneller erkennen.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die personelle Unterstützung im Projekt. Im Rahmen des Projekts konnte eine Pflegefachkraftstelle refinanziert werden. Zwei Pflegefachkräfte haben sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und Freude an der Arbeit mit der neuen Technik entwickelt.

Diese beiden Kolleginnen treiben das Thema inzwischen aktiv weiter voran und sorgen dafür, dass die telezahnärztlichen Untersuchungen regelmäßig stattfinden.”

8. Welche strukturellen oder organisatorischen Hürden sehen Sie für eine breitere Umsetzung?

Alle:
„Eine Herausforderung ist die Finanzierung der technischen Ausstattung. Gerade Pflegeeinrichtungen haben häufig begrenzte Möglichkeiten, teure Geräte anzuschaffen.

Eine mögliche Lösung könnte sein, Geräte regional zu bündeln – beispielsweise über Verbände oder Kooperationen zwischen mehreren Einrichtungen.

Darüber hinaus spielen auch rechtliche Fragen eine Rolle, insbesondere bei der Delegation bestimmter zahnmedizinischer Maßnahmen.”

Wirkung auf Personal & Organisation

9. Wie sehen Sie die zukünftige Rolle der Telezahnmedizin?

Dr. Patrick Jansen und Patrick Werny:
„Telezahnmedizin hat aus unserer Sicht ein großes Potenzial, insbesondere für die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen. Sie kann helfen, Wege zu reduzieren, Probleme frühzeitig zu erkennen und den Zugang zur zahnmedizinischen Expertise zu verbessern.

Gleichzeitig eröffnet sie neue Möglichkeiten für Kooperationen zwischen Pflegeeinrichtungen, Zahnärzten und telemedizinischen Plattformen.

Deshalb besteht großes Interesse, das Thema wissenschaftlich weiter zu untersuchen und durch Studien und Kooperationen weiterzuentwickeln.”

Unsere Projektbeteiligungen

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