Telemedizin – Konkrete Ziele und welchen Nutzen sie bietet

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(Die Frage „Was ist Telemedizin eigentlich?“ beantworten wir in einem früheren Blogartikel.)

Telemedizin ist in Deutschland bislang noch kein alltäglicher Bestandteil der medizinischen Versorgung. Dabei hat sie großes Potential, die Gesundheitsversorgung auszubauen. Wie das aktuelle Health Care Barometer von pwc zeigt, ist hier der Bedarf hoch: Nur noch 55 Prozent der Bundesbürger zählen das deutsche Gesundheitssystem demnach zu den drei besten der Welt – vor zwei Jahren lag dieser Wert noch bei 64 Prozent. Ein besonderer Kritikpunkt der Befragten: Der Zugang zu medizinischer Versorgung kann nicht flexibel in den Alltag eingebaut werden. So sind 24 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Praxisöffnungszeiten nicht den eigenen Bedürfnissen entsprechen. Den Zugang zu medizinischer Versorgung flexibler gestalten – mit einer der Faktoren, wo die Telemedizin ansetzen kann.

Weitere konkrete Ziele von Telemedizin sind unter anderem:

  • Die Versorgungsqualität verbessern. Das bedeutet als übergeordnetes Ziel: Patienten soll eine medizinische Versorgung garantiert werden, die flexibel zugänglich ist, auf individuelle Bedürfnisse abgestimmt ist und die verschiedene Behandlungsschritte miteinander vernetzt.

 

  • Dem Mangel von Haus- und Fachärzten entgegenwirken. Bereits heute fehlt vielen Ärzten die Zeit für Hausbesuche, ihre Praxen sind überfüllt. In Deutschland droht ein Mangel an Ärzten. Durch Telekonsultation kommuniziert der Arzt flexibel mit seinem Patienten, ohne die Praxis verlassen zu müssen.

 

  • Den Zugang zu Gesundheitsleistungen erleichtern. Patienten, die in ländlichen Regionen wohnen, müssen häufig weite Wege bis zum nächsten (Fach-)Arzt zurücklegen. Das ist insbesondere für ältere Menschen mit großen Anstrengungen verbunden. Über Telekonsultation können sie ihren Arzt trotz Entfernung schnell erreichen.

 

  • Pflegekräfte unterstützen. Der Pflegekraft-Mangel ist bereits heute gravierend und wird sich im Hinblick auf den demographischen Wandel verschärfen. Telemedizin kann unnötige Krankenhaus-Einweisungen von pflegebedürftigen Menschen reduzieren, indem der Hausarzt flexibel konsultiert werden kann. Dies entlastet Pflegekräfte und gibt ihnen Sicherheit durch fachärztliche Unterstützung.
KARL JOSEF LAUMANN
Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen
2018

 „Die Telemedizin ist eine gute Möglichkeit, dass wir Wissen in der Medizin vernetzen – räumlich, aber auch sektorübergreifend.“

  • Den Austausch zwischen Ärzten und Fachärzten intensivieren. Benötigt ein Mediziner zum Beispiel eine Zweitmeinung, so kann er sich per Videoübertragung zu einem Kollegen schalten. Es ist ihm auch möglich, diesem relevante Werte oder – wenn nötig – Röntgenbilder seines Patienten zu schicken.

 

  • Moderne und flexible Behandlungsmöglichkeiten bieten. Menschen wünschen sich heute mehr denn je Flexibilität – auch in der medizinischen Versorgung. Ob Arbeitnehmer, Eltern von kleinen Kindern oder viel reisende Geschäftsleute – Telemedizin ermöglicht es ihnen, ihren Arzt flexibel zu konsultieren, ohne dass der Alltag darauf abgestimmt werden muss.

 

  • Ressourcen wirtschaftlich nutzen. Durch telemedizinische Vernetzung können Ausdrucke, zeit- und kostenaufwendige Telefonate oder Faxe wegfallen. Zudem können Fachärzte aus der Ferne hinzugezogen werden. So steht beispielsweise auch kleineren Krankenhäusern verschiedene fachliche Expertise zur Verfügung. Auf diese Weise werden Kosten gesundheitlicher Einrichtungen reduziert.

Natürlich kann Telemedizin den direkten Kontakt zwischen Arzt und Patient nicht ersetzen. Sie kann die medizinische Versorgung jedoch sinnvoll ergänzen – und so sowohl für Patienten als auch Ärzte einen Mehrwert schaffen.

Quelle:

PricewaterhouseCoopers GmbH (2019): Health Care Barometer.

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