Telemedizin – Was ist das eigentlich?

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Für uns, die Docs in Clouds, gehört Telemedizin zum Tagesgeschäft – schließlich entwickeln und betreiben wir telemedizinische Produkte und Dienstleistungen. Da vergisst man schnell, dass Telemedizin keineswegs ein selbsterklärender Begriff ist. Einige Entwicklungen in Deutschland machen deutlich: Telemedizin wird ein immer größerer Bestandteil des medizinischen Alltags sein. Doch noch haben insbesonders viele Patienten nur eine ungefähre Vorstellung davon, was dahintersteckt. Deshalb widmet sich der heutige Blog-Eintrag einer ganz grundlegenden Frage:

Was ist Telemedizin überhaupt?

„Unter Telemedizin versteht man die Nutzung von Telekommunikation und Informatik für medizinische Anwendungen. Sie soll die Qualität, Wirtschaftlichkeit und Transparenz der medizinischen Versorgung verbessern“, heißt es bei Klar und Pelikan (Stand, Möglichkeiten und Grenzen der Telemedizin in Deutschland).

Was heißt das in der Praxis?

Telemedizin macht es möglich, dass Patient und Arzt über eine große Entfernung hinweg miteinander kommunizieren können. Hierbei ist weit mehr möglich, als eine reine Video-Telefonie – und das ist in vielen Fällen auch notwendig, um einen wirklichen Mehrwert zu erzielen. Anhand der entsprechenden Technik erhält der Arzt alle für eine Diagnose relevanten Vitalparameter des Patienten, wie zum Beispiel Puls, Atemfrequenz, Blutdruck, Sauerstoffsättigung sowie Herztöne. Die Daten werden auf Patienten-Seite beispielsweise durch eine betreuende Person (z. B. Pflegekraft oder medizinische Fachangestellte) ermittelt und in Echtzeit auf den Desktop- oder Tablet-PC des Arztes übertragen. Der Arzt kann so Diagnosen stellen oder eine bereits eingeleitete Therapie stetig betreuen. Mit Hilfe dieser – von uns als „Telekonsultation“ bezeichneten Prozedur – können ärztliche Maßnahmen rechtsverbindlich und verantwortungsvoll an nicht-ärztliches Personal delegiert werden.

Warum ist Telemedizin gerade in Deutschland wichtig?

Besonders drei Entwicklungen in Deutschland machen telemedizinische Lösungen immer wichtiger. Zunächst spielt der demografische Wandel eine Rolle: Die alternde Gesellschaft benötigt mehr Pflege und medizinische Unterstützung. Demgegenüber steht ein drohender Ärztemangel in Deutschland. Trotz steigender Patientenzahlen gibt es immer weniger Praxen niedergelassener Ärzte. Hinzu kommt die Ungleichverteilung von Ärzten in den Städten und auf dem Land. Gerade in dünnbesiedelten Regionen müssen Patienten weite Wege in Kauf nehmen, um zu einem Arzt zu gelangen. (vgl. Brauns/Loos 2015) Telemedizin spart sowohl Wege als auch Zeit ein. Auf diese Weise verbessert sie die medizinische Versorgung in Deutschland erheblich und trägt dazu bei, dass auch in Zukunft alle Patienten adäquat betreut werden können.

 

Einen guten Einblick in die Anwendung von Telemedizin bieten auch unsere Videos: https://www.youtube.com/channel/UCJmLQb4pU4G501r7NZCdQ8Q

Literatur:

Klar, Rüdiger; Pelikan, Ernst (2011): Stand, Möglichkeiten und Grenzen der Telemedizin in Deutschland. In: Rüdiger Kramme (Hg.). Medizintechnik. Verfahren – Systeme – Informationsverarbeitung. 4. Auflage. Berlin, Heidelberg: Springer.

Brauns, Hans-Jochen; Loos, Wolfgang (2015): Telemedizin in Deutschland. Stand – Hemmnisse – Perspektiven. In: Bundesgesundheitsblatt. Band 58. Berlin, Heidelberg: Springer, S. 1068-1073.

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